zu Grönland und der Ukraine
Ich halte eigentlich weder von Precht noch von Lanz sonderlich viel. Beide verkörpern hier in dieser Diskussion die grundsätzlich gegensätzlichen Positionen zu den Fragen von Krieg und Frieden. Und zwar beide Seiten ziemlich gut und vernünftig. Precht ist ein recht guter Analytiker und ich teile seine Analyse nahezu uneingeschränkt, seine Prognose(n) dagegen finde ich zwar (meiner Meinung nach) schwach aber immerhin begründet und eher Kaffeesatzleserei - generell eben Precht: Analyse ist meist gut (wenn er nicht den Fehler begeht, vom von ihm anvisierten Ergebnis her zu selektieren), in der Prognose ist er schwach. In der Beurteilung der Gegenwart bin ich oft nicht seiner Ansicht. Hier in diesem Fall liegt er, denke ich, sehr gut.
Lanz dagegen argumentiert, etwas boshaft gesprochen, wie der typische deutsche Stammtisch: "Man kann doch nicht ...", "Das darf aber nicht.." etc. - also wie Precht sagt "moralisch" (Precht ist Lanz gegenüber nett). Dabei ist Lanz der typische Vertreter deutschen Bildungsbürgertums, der von allem ein bißchen Ahnung zu haben meint und sich meint äußern zu können, weil er zum Beispiel "schon mal auf Grönland war" - das erinnert mich an all die Touristen, die das Leben in der Türkei oder Thailand meinen beurteilen zu können, weil sie dort 4 Wochen in den Ferien waren. Dabei ist Lanz nicht dumm. Ich schätze an ihm, daß er offen ist und in seiner Sendung im ZDF nicht ganz so offen parteiisch daherkommt wie die klassischen Talkformate. Daß er durchaus leidenschaftlich bei seinen Themen werden kann und meint, zu allem und jedem etwas Wertvolles beitragen zu können nehmen ihm viele übel. Ich bin dort nachsichtig.
In der verlinkten Diskussion liegt meine persönliche Meinung deutlich näher bei Precht. Ich finde, die Lösung jedes Problems setzt eine vernünftige und möglichst vollständige Problembeschreibung voraus, die von einer Analyse von Problem und möglichen Optionen gefolgt werden muß. Erst anschließend kommt es zu einer Bewertung. Und hier kann und soll man von seinen moralischen Prinzipien und Werten ausgehen - die man allerdings auch begründen können sollte.
Ich finde, dieses Gespräch kann man mit Gewinn anhören - vielleicht trägt es auch dazu bei, die Emotionen in der Diskussion etwas zu besänftigen?